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Somatoforme Störungen

Somatoforme Störungen

Somatoforme Symptome sind körperliche Beschwerden, die nicht ausreichend auf organische Mechanismen zurückzuführen sind, sondern eine psychische Komponente haben. Eine somatoforme Störung bezeichnet das Vorhandensein multipler somatoformer Symptome bei gleichzeitiger krankheitswertiger Beschäftigung mit diesen Symptomen und damit einhergehendem anhaltenden Leiden. Die Arbeitsgruppe klinische Psychologie und Psychotherapie erforscht die Erklärungen für diese Beschwerden wie etwa Wahrnehmung und Bewertung von körperlichen Symptomen so wie Krankheitsverhalten und evaluiert störungsspezifische Psychotherapie hinsichtlich Wirksamkeit und Wirkfaktoren sowie Mediatoren und Moderatoren von Therapieerfolg.

In diesem Zusammenhang gibt es aktuell folgende Forschungsprojekte:

 

ENCERT: Eine Multicenterstudie zur Behandlung von multiplen somatoformen Symptomen

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Projektleitung






Prof. Dr. Winfried Rief


Prof. Dr. Winfried Rief
Dr. Japhia Gottschalk

Dr. Japhia-Marie Gottschalk
Ansprechpartnerin

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Dr. Maria Kleinstäuber
Ansprechpartnerin

Projektbeschreibung

Behandlung von körperlichen Beschwerden mit medizinisch ungeklärten Ursachen
Medizinisch ungeklärte Körperbeschwerden sind körperliche Missempfindungen, für die trotz sorgfältiger Abklärung durch verschiedene Ärzte keine eindeutige organische Ursache gefunden werden kann. Der Fachmann spricht hierbei von somatoformen Beschwerden. Diese sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Studien haben gezeigt, dass etwa jeder fünfte Patient einen Arzt aufsucht, ohne dass dieser eine organische Erkrankung feststellen kann. Medizinisch unklare körperliche Beschwerden sind vielfältig und können alle Körperteile betreffen. Zu den häufigsten körperlichen Missempfindungen zählen Schmerzen im Rücken, im Kopf, in den Gelenken oder im Bauch sowie Magen-Darm-Beschwerden wie zum Beispiel Übelkeit, Verstopfung oder Blähungen. Aber auch Schwindel, Schweißausbrüche, Herz- und Atembeschwerden, Lähmungserscheinungen, Hautirritationen, Seh- und Hörprobleme werden häufig berichtet.

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse konnten zeigen, dass der Entstehung medizinisch unerklärter Körperbeschwerden ein komplexes Wechselspiel zwischen genetischer Veranlagung, biologischen Besonderheiten aber auch speziellen Prozessen der Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Informationsverarbeitung sowie Sozialisations- und Lernprozesse zugrunde liegt. Daher greift eine rein organmedizinische Sichtweise dieser Symptome zu kurz. Ein Zusammenspiel dieser Faktoren können körperliche Beschwerden erzeugen, ohne dass krankhafte organische Veränderungen festgestellt werden können. Psychologische Behandlungsansätze setzen an diesen verschiedenen Faktoren an und versuchen vor allem die Beeinträchtigungen, die Betroffene aufgrund der Beschwerden erleben, zu reduzieren und deren Lebensqualität zu verbessern.

In der Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Philipps-Universität Marburg wird aktuell im Rahmen eines Behandlungsprojekts unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Winfried Rief versucht, die bereits bewährte Therapieform – kognitive Verhaltenstherapie – für Patienten mit somatoformen Beschwerden weiter zu verbessern und zu optimieren. Wissenschaftliche Studien haben wiederholt nachgewiesen, dass bei der Entwicklung medizinisch unerklärter Körperbeschwerden unter anderen negative Gefühle eine wichtige Rolle spielen können. Intensive negative Emotionen können mit körperlichen Erregungsprozessen einhergehen, die sich wiederum verstärkend auf die somatoformen Beschwerden auswirken können. Patienten mit unerklärten Körpersymptomen in einem funktionalen Umgang mit negativen Gefühlen zu unterstützen, erscheint daher als sehr wichtig.

In dem vorliegenden, wissenschaftlich begleiteten Behandlungsprojekt soll daher die bereits bewährte Therapieform, die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), mit einer neuen Therapieform (ENCERT) verglichen werden. Diese neue Therapieform integriert die bewährten Methoden der Verhaltenstherapie und Techniken zur Regulation von negativen Emotionen. Die beiden Therapieformen entsprechen dem neuesten Stand der Wissenschaft und die Ergebnisse einer bereits abgeschlossenen Pilot-Studie konnte zeigen, dass Patienten, die chronisch an medizinisch unerklärten Körperbeschwerden leiden, durch beide Behandlungsverfahren beachtliche Verbesserungen hinsichtlich ihrer Lebensqualität und ihres Funktionsniveaus im Alltag erzielen konnten. In dem aktuellen wissenschaftlichen Projekt soll nun gezielt untersucht werden, inwieweit durch die Erweiterungen der bewährten kognitiven Verhaltenstherapie um ein Training zur Regulation negativer Emotionen die Therapieeffekte hinsichtlich der körperlichen Symptome – insbesondere auch dauerhaft - vergrößert werden können. Zudem soll untersucht werden, ob sich zusätzliche, mit den Körperbeschwerden verbundene Probleme während der Therapie verbessern.

Dieses Behandlungsprojekt richtet sich an Personen, die seit mind. 6 Monaten unter mind. 3 körperlichen Beschwerden mit medizinisch ungeklärter Ursache leiden und durch die Beschwerden stark belastet sind. Zudem sollten Sie zwischen 18 und 69 Jahre alt sind und sich aktuell nicht in psychotherapeutischer Behandlung befinden.

Weitere Infos können Sie unserem Flyer entnehmen, oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf. 


Links für Patienten

Flyer

 

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Aktueller Stand

Laufend bis voraussichtlich Ende 2015.


Kooperationen

Prof. Dr. Josef Bailer, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim ( Flyer )
Prof. Dr. Alexandra Martin, Bergische Universität Wuppertal, Wuppertal
Professor Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg
Priv.-Doz. Dr. med. Claas Lahmann, Technische Universität München, München
Prof. Dr. Rudolf Stark, Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießen
Prof. Dr. Annette Schröder, Universität Koblenz-Landau, Landau/Pfalz

 

Kognitive Verhaltenstherapie kombiniert mit Emotionsregulationstraining (ENCERT) bei Patienten mit multiplen somatoformen Symptomen: Eine Pilotstudie

Projektleitung

Prof. Dr. Winfried Rief


Prof. Dr. Winfried Rief
Dr. Japhia Gottschalk

Dr. Japhia-Marie Gottschalk
Ansprechpartner

Förderung

Philipps Universität Marburg, Fachbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie

Kooperationen

Johannes Gutenberg Universität Mainz, Fachbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie

Beschreibung

In einer kontrollierten Pilotstudie soll evaluiert werden, ob ENCERT, eine Erweiterung der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) um ein Emotionsregulationstraining, die Effektivität der Behandlung von Patienten mit multiplen somatoformen Symptomen (MSS) verbessert. ENCERT beinhaltet:
1) Erklärungen für Beschwerden,
2) Stress,
3) Wahrnehmung & Bewertung,
4) Krankheitsverhalten,
5) Andere Wahrnehmungen machen,
6) Bewertungsprozesse analysieren,
7) Bewertungsprozesse ändern.
Patienten mit MSS verbessern sich signifikant im Therapieverlauf von ENCERT in der Stärke ihrer Beschwerden, in der empfundenen Störung durch die Beschwerden und in ihren Emotionsregulationskompetenzen. In Bezug auf die somatoforme Symptomatik und komorbide Probleme führen ENCERT und klassische KVT beide zu einer signifikanten Verbesserung im Therapieverlauf. Um die bisherigen ersten Schritte in einem RCT zu bestätigen, planen wir die Durchführung einer prospektiven, randomisierten und kontrollierten multizentrischen Studie.

Keywords:

Veröffentlichungen

Gottschalk, J.-M. & Rief, W. (2012). Psychotherapeutische Ansätze für Patienten mit somatoformen Störungen. Der Nervenarzt, 83, 1115-1127.

Bleichhardt, G., Gottschalk, J.-M. & Rief, W. (subm.).  Emotionsregulationstraining zur Optimierung der KVT bei unklaren Körperbeschwerden. Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin.

Gottschalk, J.-M., Bleichhardt, G., Kleinstäuber, M., Krämer, A.C., Berking, M., & Rief, W. (in prep.). Die Behandlung von multiplen somatoformen Symptomen – Effektivität einer Erweiterung der Kognitiven Verhaltenstherapie um Emotionsregulationstraining ENCERT: Ergebnisse einer kontrollierten Pilotstudie. Verhaltenstherapie.
 

Validität der Diagnose, psychologische Faktoren und Inanspruchnahmeverhalten bei Personen mit somatoformen Störungen in der Allgemeinbevölkerung

Projektleitung

Dipl. Psych. R. Mewes


Dr. Dr. Ricarda Nater-Mewes

Prof. Dr. Winfried Rief

Prof. Dr. Winfried Rief

Förderung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), RI 574/14-1, ME 3733/1-2

Kooperationen

Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universität Leipzig (Prof.  E. Brähler)
Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität Mainz (Prof. W. Hiller)
Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Bergische Universität Wuppertal (Prof. A. Martin)

Beschreibung

Somatoforme Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie gehen mit starkem Leidensdruck und hoher Beanspruchung des Gesundheitssystems einher.
In einer bevölkerungsbasierten Längsschnittstudie wurden mit somatoformen Störungen assoziierte psychologische Faktoren und Prädiktoren für das Inanspruchnahmeverhalten bei Personen mit somatoformen Störungen und einer Vergleichsgruppe untersucht, sowie die Validität alternativer Klassifikationsvorschläge (inklusive der zeitlichen Stabilität) überprüft. Dazu wurden zunächst 2.510 bevölkerungsrepräsentative Personen nach dem Vorliegen somatoformer Beschwerden befragt. Daraus wurde eine Personengruppe mit multiplen somatoformen Symptomen (N=154) sowie eine Vergleichsgruppe mit wenigen Beschwerden (N=167) ausgewählt. Zu insgesamt drei Messzeitpunkten (Baseline, 1- und 4-Jahres Follow-up) wurden ausführliche telefonische Interviews durchgeführt und  weitere Informationen über Fragebögen erhoben (zu den Ergebnissen siehe „Publikationen“).

Keywords:
somatoforme Störungen, Diagnosevalidität, alternative Klassifikationsansätze, psychologische Faktoren, Stabilität über die Zeit, Inanspruchnahmeverhalten

Veröffentlichungen

Klaus K., Rief W., Brähler E., Martin A., Glaesmer H., Mewes R. (in press). Validating Psychological Classification Criteria in the Context of Somatoform Disorder: A One- and Four-Year Follow-Up Study. Journal of Abnormal Psychology

Mewes R., Rief W., Martin A., Glaesmer H., Brähler E. (2013). Arbeitsplatzunsicherheit versus Arbeitslosigkeit: Trotz der Unterschiede im sozioökonomischen Status sind die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen ähnlich. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie 63: 138-144. DOI 10.1055/s-0032-1332981

Klaus K., Mewes R. (2013). Diagnostik der neuen DSM-5 Diagnose Somatic Symptom Disorder (300.82). Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin 34 (4):399-418.

Klaus K., Rief W., Brähler E., Martin A., Glaesmer H., Mewes R. (2013). The distinction between “medically unexplained“ and “medically explained“ in the context of somatoform disorders. International Journal of Behavioral Medicine 20 (2):161-171. doi: 10.1007/s12529-012-9245-2.

Schumacher S., Rief W., Brähler E., Martin A., Glaesmer H., Mewes R. (2013). Disagreement in doctor’s and patient’s rating about medically unexplained symptoms and health care use. International Journal of Behavioral Medicine 20 (1): 30-37. DOI 10.1007/s12529-011-9213-2

Glaesmer H., Brähler E., Martin A., Mewes R., Rief W. (2012). Gender differences in health care utilization: The mediating effect of utilization propensity. Journal of Applied Social Psychology 42(5): 1266-1279.

Rief W.#, Mewes R.#, Martin A., Glaesmer H., Brähler E. (2011). Evaluating new proposals for the psychiatric classification of patients with multiple somatic symptoms. Psychosomatic Medicine 73(9): 760-768. # shared first authorship

Rief W., Mewes R., Martin A., Glaesmer H., Braehler E. (2010). Are psychological features useful in classifying patients with somatic symptoms? Psychosomatic Medicine 72(7): 648-655.

Mewes R., Rief W. (2009). Answer to the comment on: What is “normal” disability? -An investigation of disability in the general population. Pain 144: 342; doi: 10.1016/j.pain.2009.05.011

Mewes R., Rief W., Stenzel N., Glaesmer H., Martin A., Brähler E. (2009). What is “normal” disability?-An investigation of disability in the general population. Pain 142(1-2): 36-41; doi: 10.1016/j.pain.2008.11.007

Mewes R., Rief W., Brähler E., Martin A., Glaesmer H. (2008). Lower decision threshold for doctor visits as a predictor of health care use in somatoform disorders and the general population. General Hospital Psychiatry 30(4): 349-355; doi: 10.1016/j.genhosppsych.2008.04.007

Mewes R., Rief W. (2008). Somatoforme Störungen und Hypochondrie. Psychiatrie und Psychotherapie up2date 2(3): 189-200; doi: 10.1055/s-2007-986338
 

Minimalintervention bei einer Patientengruppe mit multiplen somatoformen Symptomen und einer gesunden Kontrollgruppe: Die Rolle von Emotionsregulation und Empathie

Projektleitung

Prof. Dr. Winfried Rief


Prof. Dr. Winfried Rief




Mitarbeiter

Dr. Japhia Gottschalk
Dr. Japhia-Marie Gottschalk
Ansprechpartner
Judith Ruckmann


Dipl.-Psych. Judith Ruckmann Ansprechpartner

Förderung

Philipps Universität Marburg, Fachbereich Klinische Psychologie und Psychotherapie

Kooperationen

Psychotherapie-Ambulanz Marburg (PAM)

Beschreibung

Patienten mit somatoformen Beschwerden haben häufig ein erhöhtes Alexithymielevel und eine verringerte Emotionsregulationsfähigkeit. Dies macht sich nicht nur im Umgang mit körperlichen Symptomen, sondern auch in zwischenmenschlichen Interaktionen und in der therapeutischen Beziehung bemerkbar. Im Rahmen der Behandlungsoptimierung von Patienten mit somatoformen Beschwerden soll experimentell der Patho- und Salutogeneseprozess simuliert werden. Es werden im Rahmen einer  Minimalintervention herkömmliche Interventionen  (Ablenkung, kognitive Umstrukturierung) mit achtsamkeitsbasierten Interventionen (Akzeptanz, positive Selbstunterstützung) verglichen. Ziel der Studie ist es, neben der Wirksamkeit dieser vier Interventionen das Störungsmodell somatoformer Störungen zu überprüfen und den Einfluss des Erlebens von Mitgefühl seitens des Patienten zu untersuchen.

Keywords:

Aktueller Stand

Datenerhebung abgeschlossen
Projekt beendet

Zuletzt aktualisiert: 25.02.2013 · stenzeln

 
 
Fb. 04 - Psychologie

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