Strukturplan des Fachbereichs Psychologie
1. Allgemeine Aussagen zum Fachbereich
Im Fachbereich Psychologie werden die durch die Rahmenprüfungsordnung Psychologie vorgegebenen Fachgebiete inhaltlich derzeit von 15 Professorinnen und Professoren vertreten. Diese lehren und forschen gemeinsam mit 46 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (davon 27 drittmittelfinanziert). Das Profil des Fachbereichs zeigt sich in einer Schwerpunktsetzung (in alphabetischer Reihenfolge) in den Bereichen Biologische Psychologie und Neuropsychologie, Kinder- und Jugendpsychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie sowie in der Wirtschaftspsychologie. In jedem dieser Bereiche arbeiten mehrere Professorinnen und Professoren fachübergreifend und interdisziplinär zusammen.
Einen vergleichbaren Schwerpunkt Biologische Psychologie und Neuropsychologie gibt es weder in Frankfurt, noch in Gießen oder Darmstadt. Auch wenn man die Bundesebene betrachtet, ist der Fachbereich auf Grund seiner langjährigen naturwissenschaftlichen Tradition und der intensiven Forschungsaktivität im Bereich der Biologischen Psychologie und Neuropsychologie besonders ausgewiesen. Kinder- und Jugendpsychologie knüpft an eine lange Marburger Tradition an (Kinderpsychologie, Kinderpsychotherapie) und ist einmalig in Hessen. Bundesweit ist eine ähnliche Akzentuierung lediglich an der Humboldt Universität in Berlin geplant. Die Klinische Psychologie und Psychotherapie ist in Marburg seit langem ein bundesweit anerkannter und etablierter Standort für eine klinisch-psychologische Ausbildung und Forschung. Mit dem Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie soll den guten Beschäftigungsaussichten von Absolventen in diesem Berufsfeld Rechnung getragen werden. Mit dieser Schwerpunktsetzung hat das Marburger Angebot ein Profil, welches sich deutlich von der stark arbeitspsychologischen Orientierung von allen übrigen hessischen und vielen weiteren bundesdeutschen Hochschulstandorten in Forschung und Lehre abhebt.
Unabhängig von der inhaltlichen Ausrichtung der einzelnen Fächer, die mit unterschiedlichen Anteilen sowohl natur- wie auch sozialwissenschaftliche Anteile repräsentieren, ist der Fachbereich Psychologie in Forschung und Lehre empirisch-experimentell ausgerichtet. Damit ergibt sich die Notwendigkeit einer kostenintensiven Ausstattung der Professuren und Arbeitsgruppen, um hohe Standards in Forschung und Lehre zu garantieren. Hierzu gehören einerseits eine umfangreiche technisch-apparative Ausstattung und andererseits beträchtliche Personal- und Organisationsmittel für empirische Labor- und Felduntersuchungen.
Der Fachbereich Psychologie ist für seine hohen Standards in Forschung und Lehre allgemein anerkannt. Bestätigt wird dies durch die im Jahre 2000 veröffentlichte Evaluation des hessischen Landesrechnungshofes, bei der alle hessischen Psychologiestandorte miteinander verglichen wurden. Marburg und Gießen belegen mit deutlichem Abstand vor Frankfurt, Kassel und Darmstadt die Spitzenposition. Bei den lehrbezogenen Parametern liegt Marburg vor Gießen. Bei den forschungsbezogenen Parametern lag Marburg bezüglich der eingeworbenen Drittmittel geringfügig hinter Gießen. Hier ist jedoch darauf zu verweisen, dass die Evaluation auf die Jahre 1990 bis 1997 bezogen war, wobei der Durchschnittswert über den gesamten Zeitraum zu Grunde gelegt wurde. Bereits am Ende des Zeitraumes ist jedoch auch hier eine Spitzenposition für den Marburger Fachbereich zu erkennen, wobei das Drittmittelaufkommen in den Folgejahren (die nicht mehr in die Evaluation einbezogen wurden) noch deutlich zugenommen hat. Im Haushaltsjahr 1999 verfügte der Fachbereich über ein Drittmittelvolumen von ca. 1,288 Mio. DM.
Dem Fachbereich ist es gelungen, in jüngster Vergangenheit drei vakante Professuren (für Allgemeine Psychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie sowie Psychologische Diagnostik) neu zu besetzen und zwei Bleibeverhandlungen erfolgreich abzuschließen. In größerem Umfang werden altersbedingte Neubesetzungen erst in einigen Jahren wieder erforderlich. Der Fachbereich Psychologie erwartet demnach für die kommenden Jahre eine relativ stabile und kontinuierliche Arbeit in Forschung und Lehre.
Absolventinnen und Absolventen der Psychologie finden gute Berufsaussichten vor. Bundesweit ist in der Dekade 1989 1998 der Anteil arbeitsloser Psychologinnen und Psychologen um 22% gesunken, während er bei der Gruppe aller arbeitslosen Personen mit Universitätsabschluss um 16% anstieg.
2. Lehre
a) Grundständige Studiengänge
Das inhaltliche Profil des Fachbereichs Psychologie ergibt sich im Wesentlichen durch die curricular in der Rahmenprüfungsordnung festgelegte Fächerstruktur des Diplomstudiengangs Psychologie. Es handelt sich dabei um die Fächer Allgemeine Psychologie I, Allgemeine Psychologie II, Physiologische Psychologie, Differentielle Psychologie, Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie, Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Pädagogische Psychologie, Psychologische Diagnostik sowie Methodenlehre und Evaluation. Die einzelnen Professuren und Arbeitsgruppen setzen eigenständige Lehrschwerpunkte innerhalb des vorgegebenen Lehrkanons.
Der Fachbereich Psychologie beteiligt sich außerdem an der Nebenfachausbildung und leistet hier Beiträge zu verschiedenen Studiengängen. Eine der Professuren des Fachbereichs ist ausschließlich für die Ausbildung von Studierenden des Nebenfachs Psychologie zuständig. Wegen neu hinzugekommener Nebenfachcurricula, wie z.B. für die Informatik oder Wirtschaftswissenschaften, hat der Fachbereich Psychologie darüber hinaus ergänzend Lehrveranstaltungen aller Professoren und Fächer für Nebenfachstudierende geöffnet (allerdings begrenzt durch einen internen Numerus Clausus) und bietet die Abnahme von Prüfungen auch in diesen weiteren Fächern an. Dazu wurden vier Nebenfachcurricula entwickelt und mit den Hauptfächern der Nebenfachstudierenden abgestimmt.
Mit den Zielen, die fachbezogene sprachliche Kompetenz der eigenen Studierenden zu erhöhen und gleichzeitig die Attraktivität als Studienort im angelsächsischen Sprachraum und innerhalb der EU anzuheben, bietet der Fachbereich auch Lehrangebote in englischer Sprache an. Dies wird teils aus eigener Lehrkapazität, wie auch teilweise durch Gastwissenschaftler aus dem englischsprachigen Ausland gedeckt. Im Rahmen einer Kooperation mit der University of Alabama findet ein jährlicher Austausch von Lehrenden zwischen beiden Universitäten statt.
b) Neue Studiengänge
Im Hinblick auf die zu erwartende Änderung der Rahmenprüfungsordnung, wonach im zweiten Studienabschnitt eine stärkere Spezialisierung möglich sein wird, sollen die Bereiche Biologische Psychologie und Neuropsychologie, Kinder- und Jugendpsychologie, Klinische Psychologie sowie die Wirtschaftspsychologie in Zukunft durch ein spezielles Ausbildungsangebot im Hauptstudium bzw. im Aufbaustudium verstärkt werden. Dies könnte sowohl im Rahmen eines Diplom-Studiengangs, als auch im Rahmen einer neu zu konzipierenden BA/Msc bzw. BA/MA Ausbildung realisiert werden.
Schwerpunkte der biopsychologischen und neuropsychologischen Ausbildung sollen die verhaltensorientierten und systemtheoretischen Elemente der Neurowissenschaften sein, also Experimentelle Psychologie, Neuropsychologie, Psychophysiologie und neuronale Netzwerkmodellierung. Absolventen dieses Schwerpunktes würden auf eine Tätigkeit im Bereich der Grundlagenforschung ebenso wie auf eine Tätigkeit im Bereich der neuropsychologischen Anwendung (Diagnostik und Rehabilitation) vorbereitet.
Die Ausbildung in Kinder- und Jugendpsychologie kann Diagnose- und Evaluationskompetenz, Präventions- und Erziehungskompetenz, Instruktions- und Trainingskompetenz sowie Beratungs- und Interventionskompetenz mit Praxisanteilen vermitteln. So werden bereits jetzt schulpsychologische Fallseminare bzw. Seminare in Kinderpsychotherapie als Lehraufträge an Praktiker vergeben. Beiträge zur Kinder- und Jugendpsychologie leisten vor allem Entwicklungspsychologie, Pädagogische Psychologie, Klinische Kinderpsychologie und Psychologische Diagnostik sowie ggf. auch Sozialpsychologie. Interdisziplinäre Anknüpfungspunkte bestehen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der (Sonder-)Pädagogik und Kindheitsforschung.
Im Zentrum der Aktivitäten der Klinischen Psychologie stehen der Aufbau einer Ambulanz für Forschung und Lehre sowie die Einrichtung eines postgradualen Studienganges zum Psychologischen Psychotherapeuten (siehe 2c). Des Weiteren sollen wichtige Entwicklungen der Klinischen Psychologie und Psychotherapie intensiver berücksichtigt werden. Dazu gehören Erforschung subjektiver Krankheitsmodelle, Biologische Psychologie und die Bereiche Prävention, Gesundheitspsychologie und Gemeindepsychologie. Beiträge zur Gesundheitspsychologie leisten neben der Klinischen Psychologie auch die Bereiche Kinder- und Jugendpsychologie sowie Biologische Psychologie und Neuropsychologie. Nach den derzeit gültigen Richtlinien für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten ergeben sich unerwünschte inhaltliche Überschneidungen mit der jetzigen Ausbildung im Diplomstudiengang mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie. Es stellt sich daher die Aufgabe einer verbesserten Koordination der Lehre im 2. Studienabschnitt mit der postgradualen Ausbildung. Dabei ist anzustreben, dass bereits durch das Studium eine möglichst hohe Beschäftigungswahrscheinlichkeit der Absolventen erreicht wird, sodass auch in Zukunft Elemente aus den Themenbereichen Diagnostik, Interventionen und Psychopathologie im Studium anzubieten sind.
Als weiterer Anwendungsschwerpunkt soll die Wirtschaftspsychologie ausgebaut werden. Das vorhandene Angebot der Psychologie, insbesondere der Organisationspsychologie, der Psychologischen Diagnostik und der Sozialpsychologie wird stärker miteinander verzahnt und durch weitere Angebote (aus der Betriebswirtschaft, der Wirtschaftssoziologie, u.ä.) interdisziplinär vernetzt. Die insbesondere theoretisch fundierte und dennoch praxisnahe Ausbildung in Marburg unterscheidet die Wirtschaftspsychologie in Marburg somit auch deutlich von ähnlich benannten Studiengängen einzelner Fachhochschulen.
c) Aufbaustudiengänge
Der Fachbereich Psychologie plant sowohl den Aufbau einer Forschungsambulanz als auch eines postgradualen Ausbildungsinstituts zum Psychologischen Psychotherapeuten auf der Grundlage des am 01.01.1999 in Kraft getretenen Psychotherapeutengesetzes. Um die Attraktivität des Fachbereichs Psychologie für Studierende auch in Zukunft zu erhalten, soll ein entsprechender Ausbildungsgang zum Psychologischen Psychotherapeuten am Fachbereich Psychologie eingerichtet werden.
3) Forschung
Zu verweisen ist auf zahlreiche nationale und internationale Forschungskooperationen sowie auf umfangreiche Erfolge in der Einwerbung evaluierter Drittmittelprojekte.
So betrug das Drittmittelaufkommen im Jahr 1993 374 TDM. Im Jahr 1999 lag es bei 1,288 Mio. DM. Dies ist ein Anstieg von weit mehr als 300% an evaluierten Drittmitteln in diesem relativ kurzen Zeitraum. Drittmittelgeber waren vor allem die DFG, aber unter anderem auch das Kultusministerium, die Bundeszentrale für politische Bildung, das BMFT, die Förderung Frauenforschung und verschiedene Wirtschaftsunternehmen sowie diverse Spender. Von diesen Forschungsmitteln waren über 80% durch externe Gutachter evaluiert. Neben den zahlreichen einzelnen Forschungsaktivitäten gibt es einige Forschungsschwerpunkte, die im Folgenden aufgeführt sind:
a) Schwerpunkte
Zentrale Elemente des Forschungsschwerpunktes Biologische Psychologie und Neuropsychologie sind die DFG Forschergruppe Dynamik Kognitiver Repräsentationen, die DFG Emmy-Noether Nachwuchsgruppe Kortikale Plastizität, die Arbeitsgruppe zum Assoziativen Lernen, die Arbeitsgruppe zu Basalganglienfunktionen und -dysfunktionen, sowie die Arbeitsgruppe zur Emotions- und Persönlichkeitsforschung. Neben der Forscher- und Nachwuchsgruppe werden auch die anderen Gruppen durch die DFG mit insgesamt zehn Projekten gefördert.
Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychologie werden gegenwärtig folgende größere Forschungsprojekte bearbeitet: Entspannungsverfahren im Kindes- und Jugendalter: Evaluation und Indikation; Längsschnittsstudie zur Hochbegabung im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter; Eltern-Kind-Interaktion im Längsschnitt; Schul- bzw. Leistungsängstlichkeit und Selbstkonzept. Alle Projekte werden mit diversen Kooperationspartnern durchgeführt und sind größtenteils durch Drittmittel (DFG, Hessisches Kultusministerium, BMFT) gefördert.
In der Klinischen Psychologie und Psychotherapie wird insbesondere in den Feldern Psychosomatik und somatoforme Störungen, Interventionsforschung, Psychoneuroimmunologie psychischer und psychosomatischer Störungen, Angewandte Psychophysiologie und Soziale Netzwerke/Soziale Unterstützung geforscht. Außerdem wird eine stärkere Vernetzung klinisch-psychologischer Forschung mit dem Gesundheitssystem, vor allem niedergelassenen Ärzten angestrebt. Die Projekte sind in der Regel durch externe Geldgeber (DFG, BMBF und andere) gefördert.
Forschungsgebiete der Wirtschaftspsychologie werden durch die Organisationspsychologie, die Psychologische Diagnostik und die Sozialpsychologie abgedeckt. Die beteiligten Wissenschaftler sind langfristig mit einschlägigen Fragestellungen befasst, wie Einstellungsdiagnostik, Berufsdiagnostik, Zeitmanagement, Leistungsbeurteilung und Intergruppenbeziehungen. Diese Forschungsprojekte sind in der Regel extern gefördert und werden teils als Längsschnittstudien durchgeführt. Drittmittelgeber sind u.a. DFG, Hessisches Kultusministerium sowie Wirtschaftsunternehmen.
Neben diesen vier Schwerpunkten erarbeitet in einer Querschnittsfunktion die Arbeitsgruppe Methodenlehre theoretische Ansätze, die ohne Drittmitteleinsatz auskommen. So werden Auswirkungen der Verletzung von Voraussetzungen für statistische Tests, die Entwicklung von ordinalen Testmodellen, und die Analyse von stochastischen Modellen der sensumotorischen Koordination erforscht.
b) Interdisziplinäre /fachübergreifende Verbünde
An der Schnittstelle zu den Neurowissenschaften werden verschiedene interdisziplinäre Kooperationen realisiert. Die durch Psychologen vertretene Forschergruppe wird ergänzt durch biologisch-neurowissenschaftlich orientierte Kooperationen zu den Abteilungen für Neuroradiologie (Prof. Bien), Psychiatrie (Prof. Krieg) und Neurochirurgie (Prof. Bertalanffy) im Fachbereich Medizin sowie zur Abteilung für Neurophysik (Prof. Eckhorn) im Fachbereich Physik.
In einer vom Fachbereich Psychologie (Prof. Stemmler) ausgehenden Initiative wurde vor kurzem bei der DFG ein Verbundantrag mit dem Titel Neuropsychobiologie individueller Differenzen gestellt. Beteiligt sind neben dem Fachbereich Psychologie die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Prof. Krieg) und die psychobiologische Arbeitsgruppe des Fachbereichs Psychologie der Universität Gießen (Prof. Netter).
Prof. Sommer ist Gründungsmitglied und Prof. Wagner ist Mitglied des soeben gegründeten interdisziplinären Zentrum für Konfliktforschung an der Philipps-Universität.
Darüber hinaus gibt es verschiedene internationale und auch interdisziplinäre Kooperationen (DFG-gefördert z.B. mit der University of California, Santa Cruz). Neben weiteren nicht institutionalisierten Kontakten findet ein ausgesprochen reger Austausch zwischen nationalen und internationalen Wissenschaftlern in Form von Tagungen in Marburg statt. So finden bzw. fanden im fünfjährigen Zeitraum von 1998 bis 2002 allein fünf von Mitgliedern des Fachbereichs ausgerichtete Kongresse mit jeweils mehreren Hundert Forschern in Marburg statt. Es sind dies die 40. Tagung experimentell arbeitender Psychologinnen und Psychologen (1998), die 1. Tagung der Fachgruppe Arbeits- und Organisationspsychologie der DGPs (1999), die 27. Tagung der Psychophysiologischen Methodik der DGPA und der Fachgruppe Biologische Psychologie der DGPs (Juni 2001), ein internationaler Kongress zu somatoformen Störungen (Februar 2002), sowie die European summer school of experimental social psychology (Sommer 2002).
c) Weitere Projekte
Am Fachbereich Psychologie existiert außerdem eine (bis Ende 2003 drittmittelfinanzierte) begabungsdiagnostische Beratungsstelle (BRAIN).
Seit WS 97/98 hat der Fachbereich Psychologie eine Evaluation der Lehre durch die Studierenden inhaltlich und organisatorisch für die Universität durchgeführt. Bisher wurden mehr als 1400 Lehrveranstaltungen evaluiert. Ab SS 2001 ist eine Lehrevaluation für sämtliche Lehrveranstaltungen der Universität unter der Voraussetzung entsprechender Mittelzusagen geplant.
Im Projekt "Traumapsychotherapie" werden Veränderungsprozesse in der Psychotherapie traumatisierter Klienten modelliert und Therapien durchgeführt.
4. Nachwuchsförderung
a) Selbstständige Nachwuchsgruppen und Dozenturen
Am Fachbereich besteht eine von der DFG aus dem Emmy Noether Programm finanzierte Nachwuchsgruppe zum Thema "Kortikale Plastizität".
Durch mehrere Rufe bisheriger Hochschuldozenten an andere Universitäten existiert nur eine derzeit zu besetzende Dozentur, nämlich im Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie. Andere bisherige Nachwuchskräfte (Herr Dr. habil. Gauggel, Herr Dr. habil. Heil, Frau PD Dr. Tuschen-Caffier und Herr PD Dr. Vögele) haben das Haus wegen externer Rufe verlassen.
Auf Grund des Numerus Clausus besteht im Fachbereich keine Lehrkapazität für eine curricular verankerte Doktorandenbetreuung. Dies ist ein gravierender Nachteil im Vergleich zu US-amerikanischen Universitäten und führt dazu, dass der Fachbereich Psychologie (ebenso wie alle anderen in Deutschland auch) für ausländische Studierende wenig attraktiv ist. Umgekehrt bemühen sich hiesige Absolventen um Stipendien für ein Graduiertenstudium in den USA, weil dort an forschungsintensiven Departments explizite Graduiertencurricula angeboten werden. Um diese Ungleichgewichtung aufzuheben, müssen Möglichkeiten einer Doktorandenbetreuung eruiert werden (siehe 2c sowie 4b).
b) Graduiertenkollegs, Doktorandenbetreuung
Als dritter Abschnitt der biopsychologischen und neuropsychologischen Ausbildung könnte eine Weiterbildung zum Klinischen Neuropsychologen angeschlossen werden, so wie diese von der Gesellschaft für Neuropsychologie konzipiert worden ist, ebenso wie ein Promotionsstudium im Bereich der Neurowissenschaften.
Um die Nachwuchsförderung im Bereich der Wirtschaftspsychologie zu optimieren, ist ein gemeinsames Graduiertenkolleg mit den Universitäten Gießen (Prof. Frese) und Frankfurt (Prof. Zapf) in Vorbereitung.
5. Notwendige Strukturvoraussetzungen
Auf zukunftsweisende Veränderungen im Fachbereich wurde unter 2, 3 und 4 verwiesen. Als besonders kritisch bei der Umsetzung dieser Ziele ist derzeit die Raumsituation am Fachbereich Psychologie einzuschätzen. Durch das deutlich gestiegene Drittmittelaufkommen und die nunmehr gelungene Besetzung sämtlicher Professuren unter Beibehaltung der ohnehin limitierten räumlichen Ressourcen haben die Arbeitsmöglichkeiten in den meisten Arbeitsgruppen die Grenzen des Erträglichen deutlich überschritten. Es ist daher unbedingt erforderlich, dass dem Fachbereich Psychologie die bereits zugesagten Räumlichkeiten der Grafik und Malerei, die sich ebenfalls im Fachbereichsgebäude in der Gutenbergstraße befinden, unverzüglich zur Verfügung gestellt werden. Die Verbesserung der räumlichen Situation hat für den Fachbereich gegenwärtig höchste Priorität. Andernfalls können Berufungszusagen nicht erfüllt werden und es ist abzusehen, dass weitere eingeworbene Drittmittel nicht abgerufen werden können.
Der Bericht des Landesrechungshofs Hessen zeigt, dass im Marburger Fachbereich Psychologie im Verhältnis zu anderen Psychologie-Ausbildungseinrichtungen ein (historisch bedingt) ungünstiges Verhältnis von Professuren und Mitarbeiter-Stellen besteht. Durch Umstrukturierungen des Personalbestandes soll daher eine Erhöhung der Anzahl der Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter im Verhältnis zu den Professuren erreicht werden. Dies soll nach den gegenwärtigen (und bereits abgeschlossenen) Planungen im Wesentlichen durch inneruniversitären Tausch geschehen. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls bereits beschlossen, bei Freiwerden eine Professorenstelle aus dem Bereich Methodenlehre in eine Mitarbeiterstelle umzuwandeln.
Ein weiterer Problembereich ergibt sich für den Fachbereich Psychologie gegenwärtig aus der Notwendigkeit einer verstärkten Teilnahme an der Lehrerausbildung (sowohl durch zusätzliche Lehrangebote als auch die Abnahme von Lehramtsprüfungen). Da die Kapazitäten des Fachbereichs Psychologie bereits durch die Psychologie- und Nebenfachausbildungen gebunden sind, können diese Beiträge nur erfolgen, wenn eine zusätzliche Mitarbeiterstelle mit zusätzlichem Lehrdeputat zur Verfügung steht.
Ebenfalls als extrem große Belastung stellen sich die jährlich zu erbringenden Einsparungen innerhalb unseres bestehenden Strukturplans (Jahr 2000; 173.690 DM) heraus. Es bleiben zum Erbringen dieser Einsparungen lediglich zwei Alternativen: Zum einen könnte fast unser gesamter Sachmittelhaushalt abgeführt werden. Zum anderen könnten Stellen vakant gehalten werden, die dann aber sowohl in der Lehre als auch in der Forschung fehlen. Bisherige Lösung des Fachbereichs ist es, die erforderlichen Mittel durch Stellenvakanzen aufzubringen. Dies ist insbesondere in einem Numerus-Clausus-Fach misslich, da die Zahl der Studierenden auf der Basis des Stellenplans (ohne Stellenbesetzungssperren) ermittelt wird. Die fehlende Lehrkapazität kann nur dadurch kompensiert werden, dass Drittmittel-Mitarbeiter unentgeltlich Lehre durchführen. Andernfalls würde die Ausbildung nicht entsprechend der Studienordnung angeboten werden können. Dies ist ein Zustand, der in hohem Maße dysfunktional und nicht tolerierbar ist.
Sowohl für die Forschung als auch für die Lehre ist es erforderlich, über eine gut ausgestattete Fachbereichsbibliothek verfügen zu können. Durch Mittelkürzungen wurde der Fachbereich in den vergangenen Jahren wiederholt gezwungen, Zeitschriften abzubestellen, obwohl sie unverzichtbar sind. Derzeit abonniert der Fachbereich gezwungenermaßen ca. 50 % weniger Zeitschriften als noch vor sieben Jahren. Auch die Anschaffungen im Bereich der Monographien liegen deutlich unter den Grenzwerten, die den Erfordernissen in Forschung und Lehre entsprechen. Die dadurch entstehenden Kosten für Literaturbeschaffung (z.B. im Rahmen von Diplomarbeiten, Referaten etc.) müssen auch von Studierenden getragen werden und stellen eine zusätzliche finanzielle Belastung dar. Es ist dringend erforderlich, dass (nicht nur auf den Bibliotheksbereich bezogen) der Fachbereich künftig über mehr Finanzmittel verfügen kann, um in Zukunft wieder die notwendige Infrastruktur für Lehre und Forschung zu schaffen.
Laut einstimmigem Beschluss des Fachbereichsrates des Fachbereichs Psychologie vom 13.12.2000.
Prof. Dr. M. Kleinmann Prof. Dr. A. Lohaus Prof. Dr. R.K.W. Schwarting
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