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Große gesellschaftliche Herausforderungen als Querschnittsthemen in der Marburger Lehrerbildung

Universitätsinterne Tagung

In der erziehungs- und gesellschaftswissenschaftlichen wie auch in der bildungspolitischen Diskussion verbinden sich mit dem Begriff „Querschnittsthemen“ unterschiedliche Erwartungen, Hoffnungen, Problemlagen. Häufig werden dabei „Große gesellschaftliche Herausforderungen“ „Große gesellschaftliche Herausforderungen“ wie Digitalisierung/Digitalität, Heterogenität/Inklusion, Demokratiebildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung u.a. an die Schulen und Hochschulen als Aufgabe herangetragen. Für Hessen manifestierte sich das unter anderem in der Implementierung von Querschnittsthemen im neuen Hessischen Lehrkräftebildungsgesetz (HLbG).

Johanna Brüggemann eröffnet für die AG Querschnittsthemen die Tagung
Johanna Brüggemann eröffnet für die AG Querschnittsthemen die Tagung

In Reaktion einerseits auf die Novellierung des HLbG sowie andererseits auf den sich entwickelnden Diskurs zur Frage, was Querschnittsthemen sind und wie sie in der ersten Phase der Lehrkäftebildung sinnvoll umgesetzt werden können, haben am 10.06.2022 Vertreterinnen und Vertreter der lehrerbildenden Fachbereiche und Disziplinen sowie des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) sowohl grundlagentheoretische Fragen wie bestehende Ansätze zur Implementierung von Querschnittsthemen in der Lehre in den Blick genommen.

Die Thematik wurde in unterschiedlichen Formaten bearbeitet: Dr. Ulrich Vogel eröffnete die Tagung mit einem Vortrag aus philosophischer Perspektive. Er sah die Marburger Lehrkräftebildung mit dem Leitgedanken einer zu erreichenden „reflektierten Fachlichkeit“ gut aufgestellt, um den Querschnittsthemen-Ansatz konzeptionell adäquat zu fassen. Die konkrete Umsetzung bliebe jedoch den Fächern selbst aus ihrer je eigenen fachkulturellen Perspektive überlassen. In unterschiedlichen Workshops haben anschließend die Teilnehmerinnen und Teilnehmer theoretisch-konzeptionelle Überlegungen und praxisorientierte Beispiele aus der Lehre fokussiert. Nach der Mittagspause hat die AG Querschnittsthemen des ZfL grundlagentheoretische Überlegungen zum Querschnittsthemen-Ansatz vorgestellt. Abschließend wurden im Rahmen einer Podiumsdiskussion Eindrücke der Tagung, grundsätzliche Fragen und Ausblicke für die weitere Zusammenarbeit besprochen.

Während der Tagung zeigte sich, wie vielfältig der Querschnittsthemen-Ansatz diskutiert werden kann – und muss:

  • Querschnittsthemen werden zwar bildungspolitisch gefordert. Eine Theorie, ein Konzept der Querschnittsthemen liegt jedoch (bisher) nicht vor. Folglich ist die Arbeit an einer solchen theoretischen Rahmung aktuell und erforderlich.
  • Eng verbunden ist damit der Bezug auf das Marburger Konzept einer „reflektierten Fachlichkeit“ und Dresslers „Didaktik des Perspektivenwechsels“. Konzeptionell liegen beide der Marburger Lehrkräftebildung zugrunde und können helfen, den Querschnittsthemen-Ansatz zu interpretieren, theoretisch zu rahmen und theoretisch begründet zu implementieren.
  • Zugleich ist die praktische Implementierung von Querschnittsthemen hinsichtlich der organisatorischen Konzeption des Studiums und in Bezug auf die konkrete Lehre nicht hinreichend dokumentiert. Entsprechend hilfreich war es, dass Dozierende der Philipps-Universität Beispiele aus ihrer Lehrpraxis vorgestellt haben. Eine Fortführung dieses Austausches erschien reizvoll und könnte sogar eigene Forschungsprojekte fördern.
  • Nicht zuletzt stellte sich die Frage, welche Kompetenzen und Potenziale seitens der UMR hinsichtlich des Querschnittsthemen-Ansatzes schon vorliegen und wie bereits Bestehendes so ausgebaut und weiterentwickelt werden kann, dass fachliche und fachdidaktische Standards mit der Bearbeitung von Querschnittsthemen verbunden werden können.

Der als produktiv und hilfreich empfundene fachübergreifenden Austausch soll fortgesetzt werden. Hierfür entwickelt das ZfL neben den bestehenden Arbeitsgruppen Formate. Für das Jahr 2023 wird der überregionale und voraussichtlich internationale Austausch im Rahmen einer Anschlusstagung fortgesetzt.

Ansprechpartner
Manuel Hermes