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Markgrafenburg Peterstirn
Markgräfliche Burg auf der Peterstirn bei Schweinfurt
Mit Förderung des Kulturamtes der Stadt Schweinfurt und in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Schloss Seehof, finden seit dem Sommer 2025 durch das Marburger Vorgeschichtliche Seminar durchgeführte Feldforschungen im Bereich einer frühgeschichtlichen Burganlage auf der Peterstirn bei Schweinfurt statt. Auf diesem hoch über den Main aufragenden, heute als Weinberg genutzten Bergsporn unmittelbar über dem Stadtgebiet, erhob sich spätestens in ottonischer Zeit eine zentrale Burganlage der ihrerzeit überaus mächtigen Schweinfurter Markgrafen.
Mit gewisser Sicherheit auf eine ältere Höhenbefestigung zurückgehend, erfolgt die Erwähnung eines "castellums" erst im Kontext dessen intendierter Zerstörung im Zuge der durch Thietmar von Merseburg in herausragend detaillierter Weise überlieferten sog. „Schweinfurter Fehde“ des Jahres 1003. Im Verlaufe dieses Kriegszuges, bei welchem auch die markgräflichen Anlagen von Sulzbach, Oberammerthal und Creußen durch König Heinrich II. belagert und zumindest teilweise geschleift worden waren, sollte auch die zentrale Burg des Volkfeldgaus bei Schweinfurt niedergelegt werden. Dies konnte nach der Überlieferung jedoch durch das beherzte Eingreifen der Mutter des aufständischen Markgrafen Heinrich („Hezilo“) verhindert werden, es erfolgte lediglich eine mehr symbolische, temporäre Entfestigung der Anlage. Im Zuge der Rehabilitation des Markgrafen nach den Ereignissen des Jahres 1003 rückte die Schweinfurter Burg als neuer Stammsitz zunehmend in den Mittelpunkt für das Geschlecht, das dort vor allem in Form einer Klostergründung einen familiären Memorialort schuf.
Die Fragestellungen nach den Mechanismen des in Schriftquellen schlecht repräsentierten frühmittelalterlichen Landesausbaus Nordostbayerns und der damit einhergehenden Konsolidierung eines frühen Adels macht vor allem eine ganzheitliche archäologische Erforschung der hierbei relevanten Zentralorte unerlässlich. Zudem wird in dem Burgensystem der Schweinfurter Markgrafen, welches aus neun eigenen "castella munimentali" bestand, erstmals eine Gruppe von Befestigungen in privater adliger Hand fassbar, die deutlich einen archäologisch bisher wenig beleuchteten burgentypologischen Schwellenhorizont zwischen Früh- und Hochmittelalter markiert. Diese Befestigungen treten hierbei nicht nur in ihrer Bedeutung als Herrschaftsstütze, sondern auch als wichtige Ausdrucks- bzw. Repräsentationsform eines in ottonischer Zeit zunehmend machtpolitisch experimentierenden Adels hervor. Die hieraus resultierende und im Falle Schweinfurts überlieferte Auseinandersetzung mit der königlichen Zentralgewalt lässt vor dem Hintergrund des vereinenden ereignisgeschichtlichen Horizontes der „Schweinfurter Fehde“ nach spezifischen Strategien einer Konfliktbewältigung und den archäologischen Spuren dieses Handelns an den somit dated sites markierenden markgräflichen Befestigungen fragen.
Nachdem neben einigen lokalhistorisch motivierten Untersuchungen des 19. Jahrhunderts bisher vor allem eine 1986/1988 durchgeführte „Testgrabung“ des Bamberger Lehrstuhls für die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit das Wissen um Gestalt und Stratigraphie der Schweinfurter Höhenbefestigung bereicherte, steht das seit dem Spätmittelalter weitgehend unbebaute Areal der Burg nach 40 Jahren wieder im Fokus archäologischer Forschung. Geophysikalische Prospektionen des Marburger Geoarchäologischen Labors (GeoALab) auf allen zugänglichen Arealen wurden zunächst konsultiert um Hinweise auf die Ausdehnung und innere Gliederung der Anlage zu generieren und Erkenntnisse über untertägig erhaltene Strukturen zu gewinnen. Parallel dazu wurden 2025 im Format einer universitären Lehrgrabung zwei archäologische Sondageschnitte in einem mutmaßlichen Zentralbereich der Burg angelegt. Die hierbei angetroffenen Strukturen erlauben bereits interessante Interpretationen, die in einer in Planung befindlichen Ausgrabungskampagne im Sommer 2026 überprüft werden sollen. Die Kontextualisierung der Prospektions- bzw. Grabungsergebnisse mit neuen Erkenntnissen zum denkmaltopographischen Umfeld der Peterstirn und begleitenden archäologisch-landeskundlichen Forschungen verspricht grundlegende Erkenntnisse zur Entwicklung des Schweinfurter Raumes zu einem frühmittelalterlichen Zentralort mit frühurbanen Strukturen in Mainfranken und lässt wichtige Erkenntnisse zu den sich in ottonischer Zeit herausbildenden Herrschaftsstrukturen in Nordostbayern erwarten.
Ansprechpartner in Marburg: Prof. Dr. Felix Teichner, Tobias Heuwinkel M.A.