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Fischsaucen- und Keramikproduktion auf dem Cerro del Villar (Málaga)

Ansprechpartner in Marburg: Prof. Dr. Felix Teichner, Dawid Wolany

Zwei Personen im Grabungschnitt; rechts ein Kameramann
Foto: Dawid Wolany
Grabung eines Fischsaucenbeckens auf dem Cerro del Villar.

Bereits seit 2022 arbeitet das geoarchäologische Seminar der Philipps-Universität Marburg in Kooperation mit der Universidad Málaga, der RTWH Aachen sowie der University of Chicago an der Erforschung der Fundstelle Cerro del Villar. Das etwa acht Hektar große Untersuchungsareal befindet sich im Mündungsgebiet des Río Guadalhorce – unweit des heutigen Stadtkerns Málagas – und stellt eine bedeutende phönizische Niederlassung des 8. Jhs. v. Chr. im westlichen Mittelmeerraum dar.

Die archäologischen Befunde lassen eine urbane Wohnarchitektur erkennen, die zusammen mit zahlreichen Werkstätten, Keramikbrennöfen sowie eine Hafenanlage die Funktion der Siedlung als Handels- und Produktionszentrum hervorhebt. Nachdem die Siedlung im 5. Jh. v. Chr. aufgelassen wurde, konnte durch das Marburger Team eine römische Nachnutzung des Areals dokumentiert werden. Diese spiegelt sich unter anderem in baulichen Strukturen wie einer Produktionsanlage zur Garum-Herstellung und zahlreichen keramischen Funden der römischen Kaiserzeit wider.

Ein halb ausgegrabenes Fischsaucenbecken
Foto: Dawid Wolany
Profilschnitt durch ein halb ausgegrabenes Fischsaucenbecken

Die Erforschung der römischen Nachnutzung steht dabei im Forschungsschwerpunkt des Marburger vorgeschichtlichen Seminars. Geoarchäologische sowie sedimentologische Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass es während der Siedlungsaktivität am Cerro del Villar zu Ablagerung von Seesediment gekommen ist, was als Resultat prähistorischer High-Energy-Events interpretiert wird.  So bietet die Fundstelle am Cerro del Villar neben der Möglichkeit einer interdisziplinären Untersuchung zur Siedlungsdynamik sowie einer wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung, auch die Erforschung der Auswirkungen von marinen Extremereignisse auf küstennahe Standorte.